Alpenüberquerung mit Schock-Zugabe

Sonntag, 22. Mai 2022

oder: In 3 Tagen fast zweimal über die Alpen

Treviso Von Freitag bis Sonntag bin ich vom Brenner über das Pustertal, den Pragser Wildsee, die Plätzwiese/Strudelkopf, Cortina d’Ampezzo, den Lago di Cadore, Belluno und den Passo San Boldo bis kurz vor Treviso gefahren. Am dritten Tag hatte ich ein Schock-Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Auf meinem Fahrrad-Gepäckträger hatte ich ein Rackpack von Rixen-Kaul angebracht. Das Rackpack ist mit 4 Stiften arretiert und es erfordert etwas Druck, um die rote Lasche anzuheben und das Rackpack zu entfernen. Am Ende des dritten Tages, nach der Abfahrt vom Passo San Boldo, zog ein Gewitter auf. Deshalb habe ich den gelben Regenschutz über das Rackpack gezogen, auch damit mich die Autofahrer besser sehen, denn Radwege waren Mangelware. Mein Plan war, am Abend noch Treviso anzuschauen.

In Colfosco kam ich an einer Eisdiele vorbei und gönnte mir zwei Eiskugeln. Mein Fahrrad hatte ich dabei immer im Auge, auch als ich vor der Weiterfahrt die Wasserflasche füllen ließ.

Aber dann der Schock. Etwa 8 km nach der Eisdiele und 15 km vor Treviso war plötzlich mein Rackpack verschwunden.

Ich fuhr sofort die 8 km zur Eisdiele zurück, konnte mein Rackpack aber nicht finden. Ich konnte mir das nicht erklären. Zum einen war ich mir zu 99,9% sicher, dass es nicht gestohlen worden sein konnte, denn ich hatte das Fahrrad in der Eisdiele nicht aus den Augen gelassen. 99,9% sind aber keine 100% und Diebe sind nunmal sehr geschickt. Nach der Eisdiele bin ich aber nur gefahren und hatte keinen Kontakt mehr zu irgendwelchen Personen. Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, dass ich das Rackpack verloren haben könnte, denn es ist bekanntlich fest arretiert.

Es dauerte eine Weile, bis das Personal in der Eisdiele die Szene der Überwachungskamera fand, auf der ich weitergefahren bin. Und tatsächlich, das Rackpack war noch auf dem Gepäckträger, als ich die Eisdiele verließ.

Also musste ich das Rackpack doch verloren haben und nach einer Weile kam mir auch die Erleuchtung, warum. Ich hatte den Regenschutz so weit über das Rackpack gezogen, dass die rote Lasche mit abgedeckt war. Bei der abgebildeten Fahrbahnschwelle muss der Regenschutz die rote Lasche nach oben gezogen haben und das Rackpack verabschiedete sich.

Ok, ich überlegte erst einmal, was alles im Rackpack war: Powerriegel, Reparatur-Werkzeug, Wasserfilter, Gaskocher, Regenschutz und - Schock lass nach - Autoschlüssel, Hausschlüssel, diverse Fahrradschlüssel und meine Fernbrille.

Problem: Bei einem Verlust des Hausschlüssels muss aus Sicherheitsgründen die ganze Schließanlage im Mietshaus ausgewechselt werden. Ok, das hätte die Privathaftpflichtversicherung bezahlt.

Haupt-Problem: Mein Auto stand am Brenner, wohin ich am nächsten Tag mit dem Zug zurückfahren wollte, nur hatte ich keinen Autoschlüssel mehr.

Inzwischen war es Abend geworden und ich konnte ohnehin nichts mehr bewirken. Ich fuhr schon mal die wenigen Kilometer mit dem Zug nach Treviso, wo ich erst nach Mitternacht ankam. Die Nacht verbrachte ich am Bahnhof.

Am nächsten Morgen ging es gleich um 5:30 Uhr mit dem ersten Zug zum Brenner, mit Umsteigen in Vicenza und Verona. Meine Frau fuhr mir von Garmisch-Partenkirchen mit dem Zug entgegen und hatte die Ersatz-Autoschlüssel dabei.

Etwa 20 Minuten vor der Ankunft am Brenner erhielt ich einen Anruf mit der Vorwahl 0911, also aus Nürnberg. Als ich die Vorwahl sah, wusste ich sofort, was los war:

Ich habe an meinem Schlüsselbund einen Anhänger mit der Bitte, die Schlüssel bei Auffinden an der nächsten Polizeistation abzugeben. Außerdem hängt an meinem Schlüsselbund eine Notfall-Servicekarte von Jura-Direkt, wo ich meine Notfall-Dokumente erstellen lasse. Die Notfallkarte enthält nur einen Nummerncode, mit dem nur die Rechtsanwälte von Jura-Direkt mich identifizieren können.

Was war passiert? Eine ehrliche Finderin hatte mein Rackpack am Straßenrand gefunden und in einer Bar abgegeben. Der Barbesitzer übergab das Rackpack der Carabinieri. Eine Polizistin in Conegliano, die recht gut deutsch spricht, rief die Notfall-Nummer in Nürnberg an. Jura-Direkt wiederum informierte mich darüber, dass sich meine Tasche auf der Polizeistation in Conegliano befindet.

Ich muss zugeben, damit habe ich niemals gerechnet. Ich war der festen Überzeugung, dass sich der Finder über einen Gaskocher, Wasserfilter usw. gefreut habe und ich meine Tasche niemals wiedersehen würde.

Problem: Ich war in zwischen wieder am Brenner angekommen. Also fuhr meine Frau wieder mit dem Zug zurück nach Hause und ich mit dem Auto nach Conegliano, um mein Rackpack abzuholen. Dadurch habe ich in 3 Tagen die etwa gleiche Strecke zweimal absolviert, einmal mit dem Fahrrad und einmal mit dem Auto.

Ziemlich übermüdet nahm ich mein Rackpack auf der Polizeistation in Empfang. Alles war komplett, aber da hatte ich auch nichts anderes erwartet. Danach ging es gleich wieder zurück über den Brenner nach Garmisch-Partenkirchen. Unterwegs habe ich zwei mehrstündige Schlafpausen eingelegt, schließlich hatte ich die Nacht zuvor am Bahnhof in Treviso keinen Schlaf gehabt.

Ich werde diese Story nie vergessen. Und an alle hier, die ein Rackpack haben, einen Tipp: Den Regenschutz nicht über die Arretier-Lasche ziehen!

In Zukunft werde ich das Rackpack zur Sicherheit zusätzlich anbinden. Außerdem bin ich dabei, mir SmartTags von Samsung zuzulegen (https://amzn.to/3lGRPck). Bei Verlust bzw. wenn man sich zu weit von seinen Taschen mit SmartTag entfernt, ertönt dann auf dem Smartphone ein Alarmton. Das funktioniert ab Android 12. Mit den älteren Android-Versionen lassen sich Gegenstände mit so einem SmartTag zumindest orten.

Faszinierend finde ich auch, dass mich Jura-Direkt gerettet hat, obwohl das eigentlich gar nicht der Anwendungszweck der Notfallcard ist. Die Notfallkarte von Jura-Direkt besitze ich, weil ich dort meine Vorsorgedokumente habe erstellen lassen.

Und dann kam der Anruf aus Nürnberg auch noch kurz bevor ich dabei war, vom Brenner mit dem Auto nach Garmisch-Partenkirchen zu fahren. Wäre der Anruf 2 Stunden später gekommen, hätte ich von Garmisch nach Conegliano fahren müssen, um die Tasche abzuholen. Das wären noch einmal vier Stunden Fahrzeit mehr gewesen.

Fazit:
1. Es gibt Schlimmeres, als Haus- und Autoschlüssel zu verlieren.
2. Es gibt doch noch ehrliche Menschen.
3. Man sollte immer an das Unmögliche glauben.

Das Rackpack von Rixen Kaul ist mit vier Stiften auf dem speziellen KlickFix-Gepäckträger fixiert. Nur mit dem roten Hebel lässt sich die Tasche entfernen. Deshalb sollte man den Regenschutz nicht über den roten Hebel ziehen, weil sonst der Regenschutz die Arretierung öffnen und das Rackpack verloren gehen kann.

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